Weiße Wände, ein langer Tisch aus dunklem Metall, darüber mehrere schwebende Projektionsflächen. Will Parker saß am Ende des Raumes, die Hände ineinander verschränkt, den Blick auf das Hologramm vor sich gerichtet.
Eine Weltkarte.
Überall blinkten rote Markierungen auf.
Europa.
Nordamerika.
Asien.
Australien.
Zu viele.
Dr. Vogt stand vor der Projektion und wechselte die Anzeigen mit einer Handbewegung.
„Seit Ihrer letzten Mission“, begann sie ruhig, „haben wir 47 bestätigte Machina-Vorkommnisse registriert.“
Ein Raunen ging durch den Raum.
Mehrere Offiziere aus Kern A und Kern B saßen um den Tisch verteilt. Sicherheitsanalysten, Strategen, Techniker.
Will richtete sich auf.
„Nicht nur Deutschland?“, fragte er.
Dr. Vogt schüttelte den Kopf.
„Nein. Weltweit. Die ersten Meldungen kamen aus Japan, dann aus Kanada. Innerhalb von Stunden folgten Berichte aus Brasilien und Skandinavien.“
Ein neues Bild erschien: schwarze Portale mit roten Linien.
Jedes sah anders aus – und doch gleich.
„Alle Berichte zeigen dieselben Eigenschaften“, fuhr sie fort.
„Autonome Errichtung. Netzwerkbildung. Lernverhalten.“
Ein Offizier aus Kern A meldete sich zu Wort.
„Enlightened oder Resistance?“
„Keine menschliche Fraktion“, antwortete Dr. Vogt. „Machina agiert unabhängig.“
Will sah auf die Projektion.
Er erkannte das Muster wieder. Das geometrische Netz. Die pulsierenden Verbindungen.
„Es baut Strukturen“, sagte er leise. „Nicht Territorien.“
Dr. Vogt nickte.
„Genau. Machina beansprucht keine Kontrolle – es installiert Systeme.“
Ein Techniker blendete neue Daten ein.
Diagramme. Kurven. Zeitachsen.
„Die Ausbreitungsgeschwindigkeit steigt exponentiell“, erklärte er. „Jede Begegnung mit Agenten scheint neue Anpassungen hervorzurufen.“
Will spürte ein unangenehmes Ziehen im Magen.
„Dann lernt es aus uns“, sagte er.
Stille im Raum.
„Ja“, bestätigte Dr. Vogt. „Und deshalb sind Sie hier, Agent Parker.“
Alle Blicke wanderten zu ihm.
„Sie waren der Erste, der direkten Kontakt hatte“, fuhr sie fort. „Der Erste, der eine erfolgreiche Störung durchgeführt hat. Machina hat auf Sie reagiert.“
Will atmete langsam aus.
„Das klingt nicht nach einem Vorteil.“
„Doch“, sagte Dr. Vogt. „Es macht Sie zu unserem wichtigsten Sensor.“
Sie wechselte die Projektion erneut.
Ein neues Dokument erschien:
OPERATION BLACK GRID
„Ab sofort“, erklärte sie, „ist Machina die höchste Priorität von Sektor Orion. Ihre Aufgabe wird es sein, Außenmissionen zu koordinieren, Daten zu sammeln und neue Bekämpfungsprotokolle zu testen.“
Ein Offizier runzelte die Stirn.
„Allein?“
„Nein“, antwortete Dr. Vogt. „Aber unter seiner Führung.“
Will spürte, wie sich die Verantwortung wie Gewicht auf seine Schultern legte.
„Was, wenn wir verlieren?“, fragte jemand leise.
Dr. Vogt sah einen Moment auf die Karte.
„Dann übernimmt ein System die Portale der Welt.“
Sie wandte sich wieder an Will.
„Agent Parker, Sie kennen Machina besser als jeder andere hier. Was ist Ihr Eindruck?“
Will zögerte.
Dann sagte er:
„Es ist nicht böse. Es ist nicht gut. Es folgt einer Logik. Und diese Logik sagt ihm, dass wir… Störfaktoren sind.“
Ein leises Murmeln ging durch den Raum.
„Dann müssen wir lernen, es zu verstehen“, sagte Dr. Vogt. „Bevor es uns versteht.“
Die Projektion zoomte heraus.
Die Erde wirkte klein.
Die roten Punkte zahlreich.
Will lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen.
Er war als Agent angetreten, um Portale zu sichern.
Jetzt sollte er ein weltweites Phänomen jagen.
„Wann beginne ich?“, fragte er.
Dr. Vogt lächelte dünn.
„Sofort.“
Das Licht im Raum dimmte sich.
Die Karte blieb bestehen.
Und mit ihr die Erkenntnis:
Machina war nicht mehr ein Ereignis.
Machina war ein Problem der ganzen Welt.
Ende Kapitel 6