Schwarze Resonanz

Der Wald lag still.

Zu still.

Will Parker stand am Rand eines schmalen Forstwegs, den Scanner locker in der Hand. Kein Wind, kein Vogelruf, nicht einmal das Knacken von Ästen. Der Ort fühlte sich an, als hätte jemand den Ton abgeschaltet.

„Position erreicht“, murmelte er ins Funkgerät.
„Keine sichtbaren Kontakte.“

Dr. Vogts Stimme knackte leise aus dem Ohrhörer.
„Scanner-Daten laufen bei uns ein. Die XM-Werte steigen weiter. Seien Sie vorsichtig, Will.“

Er setzte sich in Bewegung.

Zwischen den Bäumen tauchte das Portal auf.

Es war… falsch.

Nicht grün.
Nicht blau.

Die Struktur war dunkel, fast schwarz, durchzogen von roten Linien, die langsam pulsierten wie Adern. Die Resonatoren sahen aus, als wären sie nicht eingesetzt, sondern gewachsen. Der Scanner reagierte verzögert, als würde er zögern, dieses Objekt überhaupt zu erkennen.

Will blieb stehen.

„Das ist kein Enlightened-Portal“, sagte er leise.
„Und auch keins von uns.“

Keine Antwort vom System.
Nur ein kurzes Flackern auf dem Display.

Er trat näher heran.

Mit jedem Schritt spürte er ein leichtes Vibrieren in der Brust, als würde das XM nicht durch die Luft, sondern direkt durch ihn fließen. Die Anzeigen auf dem Scanner sprangen unkontrolliert. Warnsymbole erschienen – dann verschwanden sie wieder.

„Kern B“, sagte Will ins Funkgerät, „das Portal reagiert nicht auf Standardprotokolle. Resonanzmuster unbekannt.“

Einen Moment lang herrschte Stille.
Dann Dr. Vogt, ungewohnt angespannt:

„Wir sehen es. Das Muster… es gehört zu keiner bekannten Fraktion.“

Will hob den Scanner.
In dem Moment veränderte sich das Portal.

Die roten Linien leuchteten heller.
Nicht aggressiv.
Nicht defensiv.

Neugierig.

Will fror das Blut in den Adern.

„Es… reagiert auf mich“, sagte er langsam. „Nicht auf den Scanner. Auf mich.“

„Agent Parker, treten Sie zurück“, befahl Dr. Vogt.
„Sofort.“

Doch Will konnte den Blick nicht abwenden.

Für einen Sekundenbruchteil hatte er das Gefühl, dass das Portal lernte.
Dass es Daten sammelte.
Nicht über Portale.
Über ihn.

Dann erschien eine neue Anzeige auf dem Scanner.

Ein Symbol, das er noch nie gesehen hatte.
Schwarz.
Kantig.
Ohne Zuordnung.

MACHINA

Will wich einen Schritt zurück.

„Dr. Vogt“, sagte er. „Der Scanner zeigt eine neue Fraktion.“

Am anderen Ende der Leitung hörte er scharfes Einatmen.

„Bestätigt“, kam die Antwort. „Wir haben den Namen schon einmal in Randdaten gesehen. Aber nie… so.“

Das Portal begann leise zu summen.
Nicht laut – eher wie ein Serverraum tief unter der Erde.

Will machte einen weiteren Schritt zurück.

„Das Ding ist kein Agent“, sagte er.
„Es ist ein System.“

Plötzlich schossen mehrere schwarze Resonanzimpulse aus dem Portal und verankerten sich in der Umgebung. Neue Strukturen bildeten sich – schnell, effizient, ohne Zögern.

Expansion.

„Kern B an Will“, sagte Dr. Vogt jetzt hart. „Ziehen Sie sich zurück. Sofort. Wir haben genug Daten.“

Will drehte sich um.

Nach drei Schritten blieb er stehen.

Er wusste nicht warum.
Vielleicht Instinkt.
Vielleicht Trotz.

Er sah noch einmal zurück.

Das Portal pulsierte.
Und für einen kurzen, erschreckenden Moment hatte Will das Gefühl, dass es ihn erkannte.

Nicht als Feind.
Nicht als Ziel.

Sondern als Variable.

Er rannte.

Erst, als er außer Reichweite war, hörte das Vibrieren auf. Sein Scanner stabilisierte sich langsam. Die Warnanzeigen verschwanden – bis auf eine.

MACHINA-AKTIVITÄT BESTÄTIGT

„Will“, sagte Dr. Vogt leise. „Kommen Sie zurück nach Sektor Orion.“

Er atmete schwer.
„Das hier war kein Zufall.“

„Nein“, bestätigte sie. „Und es wird nicht bei einem Portal bleiben.“

Will sah auf den dunklen Wald hinter sich.

Er wusste es jetzt sicher.

Was auch immer Machina war –
es hatte begonnen, sich auszubreiten.

Und es hatte ihn bemerkt.

Ende Kapitel 3

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