Die flackernden Portale

Will Parker hatte sich längst an das Summen der Anlage gewöhnt.Es war allgegenwärtig – ein tiefes, vibrierendes Geräusch, das aus dem Boden selbst zu kommen schien. Manche sagten, es sei nur das Belüftungssystem des Bunkers. Andere behaupteten, es sei das XM, das durch die Leitungen floss wie Blut durch Adern.

Die Installation lag irgendwo in Deutschland, an einem Ort, den keine Karte nannte.Von außen wirkte sie wie ein verlassener Militärkomplex: graue Betonbauten, hohe Zäune, Kameras an jeder Ecke. Gebäude Alpha ragte am höchsten auf, während Beta und Gamma tiefer in den Hang gebaut waren, fast so, als wollten sie sich vor der Welt verstecken.

Will ging schnellen Schrittes über den Verbindungsgang zwischen Alpha und Gamma.Seine sportliche Jacke trug keine Rangabzeichen, nur das schlichte Symbol der Resistance am Ärmel. Seine braunen Haare wirkten zerzaust, als hätte er seit Stunden nicht in einen Spiegel gesehen. Trotz seines Geburtsjahres 1984 sah er jünger aus, fast wie ein Student – ein Vorteil auf Außenmissionen.

Doch heute war er nicht draußen.Heute war er im Herzen des Komplexes.

Der Aufzug nach unten öffnete sich mit einem dumpfen Zischen.„Zugriff Kern A bestätigt“, meldete eine neutrale Stimme.

Will trat ein.

Der Bunker lag tief unter der Erde. Hier gab es kein Tageslicht, nur blaues Leuchten von Hologrammen und Anzeigen. Kern A war der Ort, an dem Daten gesammelt wurden: Portalaktivitäten, XM-Ströme, Bewegungen der Enlightened. Kern B, gleich nebenan, war für die Analyse zuständig – dort versuchten Wissenschaftler und Strategen zu verstehen, was das XM wirklich bedeutete.

Will setzte sich an seine Konsole.Die Daten seiner letzten Außenmission erschienen vor ihm wie ein Netz aus Linien und Zahlen. Portale, die sich unregelmäßig verhielten. XM-Werte, die außerhalb aller bekannten Skalen lagen.

Er zögerte.

Sein Finger schwebte über der Eingabetaste.

Er wusste, dass nicht alles, was er gesehen hatte, in diesen Bericht gehörte.

Nicht die Sekunden, in denen sein Scanner einfach verstummt war.

Nicht das Gefühl, beobachtet zu werden, obwohl niemand da war. Und ganz sicher nicht der Moment, in dem eines der Portale aufleuchtete, ohne dass er es berührt hatte.

Will gab nur die Messdaten ein. Nüchtern. Sachlich. Ohne Interpretation.

„Datenübertragung abgeschlossen“, sagte die Stimme des Systems.

Er lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen.Wenn Kern B diese Werte sah, würden sie Fragen stellen. Und wenn die Entscheider Fragen stellten, würde er antworten müssen.

Doch etwas in ihm wehrte sich.

Nicht aus Angst. Sondern aus einem Gefühl heraus, dass manche Wahrheiten gefährlicher waren als Unwissenheit.

Als Will den Raum verließ, flackerte hinter ihm ein Hologramm auf. Ein Portal, das auf der Karte kurzzeitig pulsierte – heller als alle anderen.

Er blieb stehen und sah noch einmal zurück.

„Das ist erst der Anfang“, murmelte er.Über ihm, weit über der Erde, ahnte niemand, dass sich etwas veränderte. Dass die Portale nicht mehr nur Tore waren. Sondern vielleicht Beobachter. Und dass Agent Will Parker begonnen hatte, mehr zu wissen, als er preisgab.

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